Selbstbau einer veränderten Beijer

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EMBE
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Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von EMBE » Do 19. Mai 2016, 16:52

Eigentlich wollte ich eine Beijerorgel nach den vorhandenen Zeichnungen bauen. Vielleicht ein paar Kleinigkeiten ändern. Maschinenmäßig ist bei mir keine große Einschränkung, selbst eine kleine NC-Maschine (2-1/2 Achsen Größe DIN A4) ist vorhanden. Damit lässt sich manches vereinfachen.
Dann hab ich mich mal ans CAD gesetzt und es wurde aus den Kleinigkeiten aber beinahe eine kpl. Neukonstruktion und dann habe ich dabei noch die Tips von Herr Stille und Herr Friederichs mit eingebaut.
Was ich anders wollte:
1. Der Doppelschöpfbalg gefällt mir an der Abdichtung nicht. Auch die Bewegung die der unsymmetrische Teil machen soll ist nicht ganz nach meinem Geschmack. Warum also nicht zwei einzelne Keilbalgs so untereinander, dass im Prinzip das Luftschöpfen gleich bleibt. Die Abdichtung des Mittelteiles des Schöpfbalges entfällt und die Anlenkung wird geradliniger und einfacher .
2. Die Lagerung im Spiel und Antriebskasten mit POM-Gleitlagern, und teilweise mit rostfreien Kugellagern.
3. Das ausrücken des Antriebsrades unter voller Riemenspannung wurde in eine einfache Zugbolzenvariante umgewandelt.
4. Wenn ich mir die Mühe mit dem Selbstbau der Pfeifen mache, so sollen sie auch größtenteils sichtbar sein.
5. Die Ventile der Windlade werden einstellbar gemacht.
6. Windlade/Pfeiffenstock wird mit der NC-Maschine gefräst und damit weniger Teile.
7. Die Pfeifen werden anders gesteckt und mit O-Ringen gedichtet ( na ja da kommt der Maschinenbauer wieder mal durch !)
8. Eine einfache Rückspuleinrichtung kam hinzu.
.. und noch einige weitere Kleinigkeiten.

Jetzt wäre für mich natürlich mal die Meinung der Experten interessant. Ich hab dazu im Anhang zwei 3D Edrawings angehängt. Diese lassen sich in allen Variationen drehen und schneiden, so daß man alles erkennen kann.Einfach ein bißchen damit herumspielen! Noch ist nicht alles ganz ausdetailiert, da ich in der Werkstatt manches einfach ohne große Zeichnung und nach vorhandenem Material mache.
Und manches ist auch schon fertig.

Edrawing ist ein Viewer von Solidworks und hier kostenlos erhältlich. (Ist auch gut um DXF Dateien anzuschauen)
http://www.solidworks.de/sw/support/edr ... gister.htm

Ich freu mich auf Anregungen und selbstverständlich auch Kritik !
Zusammenbau.EASM
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Selbstbau einer veränderten Beijer. Bericht 2

Beitrag von EMBE » Mi 25. Mai 2016, 10:49

Nachdem die Konstruktion weitgehenst abgeschlossen ist, hier ein paar Bilder, dass man sieht es geht auch praktisch weiter !
Der Spielframe sowie die Balganlage sind beide im Rohbau fertig. Beides soll dann noch gestrichen werden. Der Spielframe mit den Zahnrädern wurde mal mit der Intonierungsrolle von Herr Hoffman getestet. Läuft sehr gut . Die Bedenken die Herr Friederichs evtl. wegen des einrückens der Zahnräder sah konnten widerlegt werden. Sowohl Zahnräder als auch der Sechskant finden nach Freigabe selbständig ihr Ziel. Die Löcher im Luftklavier wurden auf der NC-Maschine gebohrt, genauer gehts nicht. Die Holzzahnräder entstanden auch auf der Maschine, alternativ wären welche zu kaufen gewesen ( Fa. Mädler), aber es hat Spaß gemacht sowas mal selber zu fertigen.
Nun wird schon mal an das Gehäuse gedacht und ich hab da auch schon mal weiterkonstruiert, aber dann kommt jetzt wahrscheinlich mal ne Sommerpause !
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Zusammenbau.EASM
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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von EMBE » Fr 24. Jun 2016, 10:49

Der Bau geht weiter. Inzwischen ist das Gehäuse auch im Robau fertig und alle Einzelteile wurden mal probeweise zusammengesetzt um zu sehen wo evtl. noch ein Problem schlummert. Sieht aber alles gut aus.
Zum Bau des Gehäuses ist zu sagen, dass es nur den innneren Teil darstellt. Damit ist die Montage wesentlich einfacher, krumme Finge hab ich schon, muß nicht noch schlimmer werden. Seiten, Front und Rückwand werden extra gefertigt ( im Winter,
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wenn viiiiel Zeit ist zum Schnitzen) . Sie werden so befestigt, dass je Teil nur zwei Schrauben zu lösen sind und dann der Zugriff in das innere ohne weiters möglich ist.
Danke an die Herren Friederichs und Stille für Ihre guten Tips !

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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von EMBE » Do 28. Jul 2016, 12:35

So, inzwischen gibts wieder einen Fortschritt. Leder für den Balg habe ich von der Fa. Widenmann aus Blaubeuren . Ziegenleder Clace gegerbt für Orgelbauer. Widenmann liefert auch gern an Privatkunden. Zum verkleben auf den Balg konnte man mir dort allerdings keine Auskunft geben.
Deshalb jetzt die Frage in die Runde: mit was verklebt ihr das Leder auf den Holzrahmen ?

Um die Pfeifen einfach vor dem Einbau stimmen zu können, ist nun nebenbei noch eine spezielle Einrichtung dazu entstanden. Die Luft liefert ein Kompressor mit 20 Liter Tank, kompriert auf 8 bar gibt das 160 liter Normalluft die mit dem Kompressordruckregler knapp über den gewünschten Druck eingestellt wird. Die genaue Druckregelung übernimmt ein Magazinbalg mit Druckventil, Bauart wie in der Drehorgel. Druck wird über ein Schlauch-Röhrenmanometer kontrolliert, die Pfeifen über zwei Luftventile mit Taster versorgt. Zwei Pfeifen können in aller Ruhe nebeneinander gestimmt werden, Luft reicht ziemlich lange. Bild im Anhang.

Weiterhin ist der einstellbare Ventilstock soweit fertig, siehe auch dazu Bilder im Anhang.

Also nochmal die Frage: was ist euer Kleber für das Balgleder ?
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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von Siegfried » Do 28. Jul 2016, 17:50

Hallo,
zu Deiner Frage bezüglich Leimung Leder-Holz kann ich Dir folgendes berichten:
vor 6 Monaten habe ich einen Bausatz von Axel Stüber zusammengebaut. Für Leimungen der Ventile und des Balgsystems war dem Bausatz Glutin
beigefügt. Glutin ist ein Knochenleim der warm,ca. 60 Grad, verarbeitet wird. Die Leimungen werden sehr fest und sind Dauerhaft. Der große Vorteil ist der, dass diese Verbindungen durch Wärmeeinwirkung,z.B.Bügeleisen, wieder gelöst werden können ohne Bauteile zu beschädigen oder gar zu zerstören. Knochenleim wird in Granulatform geliefert und ist bei Lieferanten von Zubehör zur Möbelrestaurierung erhältlich.
Die Verarbeitung ist kein Hexenwerk. Man benötigt einen Babyflaschenwärmer und Plastikbecher die da reinpassen. Das Leimgranulat im Plastikbecher mit etwas Wasser ca. 1 Stunde einweichen und dann in den mit Wasser gefüllten Flaschenwärmer stellen und auf ziemlich die höchste Stufe einstellen und erhitzen. Man muss das einfach mal ausprobieren.Flächige Verklebungen kann man mit einem Bügeleisen nacharbeiten.Die Konsistenz des Leims sollte so der von Honig oder etwas dünner,entsprechen und kann durch Zugabe von Wasser oder weiterem Granulat eingestellt werden. Erkalteter Leim kann mehrere male wieder erwärmt werden. Leimauftrag erfolgt mit einem Pinsel passender Größe der möglichst keine Metallfassung hat
Auch bei meiner im Bau befindlichen Höffle werde ich wieder Knochenleim verwenden, Wenn Du noch Fragen hast melde Dich, helfe gerne weiter.
Grüße
Siegfried

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Reinhard
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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von Reinhard » Fr 29. Jul 2016, 18:57

Zu dem Warmleim möchte ich noch einen Hinweis geben. Bei dem Bausatz der 20iger Hofbauer war ein Lederstück des Balgs als Muster für den Selbstbauer mit Warmleim geleimt. Da der Bausatz über 30 Jahre gelegen hatte, war die Leimung natürlich auch so alt. Ich habe festgestellt,dass der Leimauftrag auf dem Leder breiter als die Stirnseite der Holzstärke des Balgs war.Es kann aber auch daher kommen,dass der Leim seitwärts in das Leder hineingezogen ist. In diesem Bereich war das Leder sehr verhärtet.Dieses wirkte sich leider in dem sich zuspitzenden Bereich der Falten negativ aus. Hier brach das Leder sofort,konnte aber durch einen aufgeleimten Keil behoben werden.Ich würde daher mit dem Warmleim eine kleine Probe machen um zu ergründen ob das Leder Leim zur Seite hin aufsaugt. Ansonsten sollte der Leimauftrag nur in Holzbreite aufgestrichen werden.
Ich habe meinen Balg mit normalen Holzleim verklebt. Kein Expressleim.Normaler Leim lässt sich etwas länger korrigieren. Es ist von Vorteil immer nur eine Balgseite zB.oben,danach unten zu Leimen. Darauf dann eine Leiste legen und mit Zwingen anpressen.
Arbeitsreihenfolge:1.Längsseite, Stirnseite, 2.Längsseite.
Als weitere Möglichkeit bietet sich die Verklebung mit Pattex an.Dieser Kleber klebt Leder sehr gut und es lässt sich in schnellerer Reihenfolge arbeiten.
Auch hier habe ich die Verklebung mit einer Leiste u. Zwingen für eine halbe Stunde gepresst.Ich vermute,dass dieses auch bei Warmleim nötig ist.

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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von EMBE » Sa 30. Jul 2016, 12:38

Hallo,
danke für die Infos !
Verleimung mit Leim (Ponal) hält bei mir nicht. Trotz Pressung keine Verbindung. Habt ihr euer Leder mit irgendwas vorbehandelt ? Mein Leder ist Clace gegerbt und speziell für Orgelbauer gemacht.
Der Einwand, das Warmleim sehr hart wird, ist denk ich richtig, wenigstens war's so immer bei meinem Vater (war Schreiner), das Zeug wurde knallhart und mit der Zeit spröde.
Bei einer Recherche im Internet bin ich auf Ronald Walters Videoreihe über den Bau seiner Drehorgel gestoßen. Er verwendet Fischleim. Habe daraufhin in Ebay gesucht und bei " die-möbelwerkstatt" einen Fischleim gefunden. Laut deren Aussage bleibt er elastisch, wäre doch genau das richtige.
Jetzt warte ich auf die bestellte Flasche und werde dann mal Versuche machen.
Hier noch der Link zu R.Walters Video über den Test mit Fischleim, sieht eigentlich sehr gut aus.

https://www.youtube.com/watch?v=Gb6G0Z0H2Yo

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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von EMBE » Di 9. Aug 2016, 16:17

So jetzt ist das mit dem Balg kleben auch geklärt. Ich hab mal verschiedene Musterverklebungen gemacht:
1. mit UHU-Bastelleim
2. mit Fischleim
3. mit Pattex
Jetzt habe ich das Glück, dass ich einen Orgelbaumeister in der Nähe habe (Orgelbau AS in Donnstetten) und der sehr gerne eine Beurteilung zur Güte der Verklebung abgeben hat, und ich noch einiges von seinem Orgel-Wissen dazu bekommen habe ! Dafür nochmal besten Dank ! Zudem verwendet er auch Leder von der Fa. Widenmann.
Die bange Frage war: ist die Klebung gut genug. Sein Urteil: das hält alles doch bestens. Er verwendet normalen Weißleim, hat aber wohl auch schon mal einen Weißleim erwischt der nicht so gut war, also gibt's da doch Unterschiede.

Parallel dazu hatte ich noch bei UHU angefragt, es gibt hier im Interent : wasklebtwass.de !
Dort bekam ich die Auskunft: mit Kontaktkleber von UHU, Orgelbauer kleben auch damit !

Ich tendiere jetzt dazu den UHU-Bastelleim zu verwenden, er bleibt anscheinend etwas elastischer wie die anderen Kleber. Am besten hält allerdings der Fischleim.

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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von Reinhard » Fr 16. Sep 2016, 16:45

Vielleicht ist es möglich, in diesem Forum die Rubrik Stimm-u. Intonierlade einzurichten.Ich und auch andere Hobbykollegen würden sich freuen wenn die auf dem Foto gezeigte Lade ev. etwas detaillierter zum Nachbau eingestellt würde.
Selbst habe ich eine Lade für 4 Pfeifen gebaut. Die Windversorgung erfolgt über die Anzapfung an der Orgel. (Einen Schlauch abziehen u. verlängern.)
Leider ist es so,dass nach dem Stimmen in der Lade und anschließenden Einbau in die Orgel immer eine Differenz von - 5 Cent entsteht. Die Ursache konnte noch nicht gefunden werden. Über eine Antwort ob die Lade zum Nachbau freigegeben wird würde ich mich freuen.Vielleicht lässt sich das auch in einer PN klären.

Gruß
Reinhard

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Re: Selbstbau einer veränderten Beijer

Beitrag von EMBE » Mo 19. Sep 2016, 13:00

Habe unter der Rubrik Intonation/Stimmung einige Bilder und eine Kurzbeschreibung eingestellt. Falls Fragen sind einfach PN.

Mit der Drehorgel gehts auf Seite 2 weiter !

Gruß Manfred
Zuletzt geändert von EMBE am So 20. Nov 2016, 12:06, insgesamt 1-mal geändert.

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